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Garnicht so einfach – Wenn Kinder flügge werden

Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel. (Johann Wolfgang von Goethe)

Das ist wahr. Und klingt so leicht. Aber ist es das? Wie ich darüber denke und was ich für Erfahrungen damit mache, lest Ihr heute in meinem Beitrag: Garnicht so einfach – Wenn Kinder flügge werden.

Ich habe den Beitrag meiner lieben Bloggerkollegin Sabrina vom Babykeksblog über MeTime gelesen. Ihr seid neugierig, welchen ich meine? Lest ihn hier! Es geht natürlich darum, dass die Kinder endlich größer werden und man wieder mehr MeTime bekommt. ENDLICH? Ja, das denkt man, wenn man Kinder im Alter von Sabrinas Jungs hat.

Anmerkung: Ich will mit diesem Beitrag niemanden verurteilen, der anders denkt. Ich schreibe hier nur meine Gedanken und eigene Erfahrungen auf. Für mehr Verständnis, dass es anderen auch nicht anders geht.

Nun sind ja meine Jungs schon größer. Wisst Ihr ja schon.

Allerdings waren sie auch mal klein und MeTime war mir fremd. Leider lese ich ganz oft Beiträge im Social Media über Mamas, denen das fehlt, die überfordert sind mit ihren Kindern, die JAMMERN!

Ich hatte auch kleine Kinder

Meine Jungs sind 2,5 Jahre auseinander. Geht ja noch, denken jetzt viele. Aber denkt mal 13 Jahre zurück.

Vor 10 Jahren war es noch nicht normal, ein Kind vor dem 4. Lebensjahr in die KiTa zu bringen. Der Ausdruck KiTa war auch noch nicht modern. Es war einfach der Kindergarten. Und der war ab 3 Jahren. Was hat man also DAMALS als Mama gemacht? Richtig, man blieb zu Hause. Bei den Kindern. Und erzog diese. Ja, selbst. Man lebte mit ihnen 24 Stunden zusammen durch den Alltag. MeTime? Gab es nicht. Man musste also den Haushalt machen, während die Kinder dabei waren. Das führte allerdings dazu, dass die Kinder mit kochten, die Waschmaschine befüllten, Obst schnippelten, sich vorlesen ließen, Singen, Klatschen zu Mamas Musik und das Trappeln von kleinen Kinderfüßchen den ganzen Tag durchs Haus hallte. Nicht erst nach 17 Uhr für ne Stunde.

Warum ich das so betone? Weil ich sehe, wie in Social Media Mamas gefeiert werden, die mit ihren Kindern Gemüse schnippeln. Das war zu MEINER Zeit normal! Wurde nicht gefeiert. Es war unser Alltag. Spezielle Türme, auf denen die Kinder stehen konnten, gab es nicht. Sie standen auf einem Stuhl oder saßen auf der Arbeitsplatte. Ging auch.

Wie haben das die Working Mums gewuppt?

Also, entweder sie hatten so eine tolle Position, dass sie so viel verdienten, dass sie sich eine Tagesmutter leisten konnten oder sie hatten eine Oma zu Hause. Alle anderen mussten zu Hause bleiben.

War das so schlimm?

Ich fand es toll! Die ersten Schritte meiner Kinder habe ich selbst begleitet, ihrer ersten Worte gelauscht, mit ihnen die Sauberkeitserziehung durch gemacht, habe Playdates ausgemacht und blieb bei ihnen.

MeTime hatte ich nur, wenn sie geschlafen haben. Und das hat sich bis heute nicht geändert: Kinder schlafen nicht so, wie sich Eltern das wünschen. Also habe ich in meiner MeTime meistens schnell geduscht und dann geschlafen. Wobei ich meistens sogar mit den Kindern geduscht habe. Geht auch. Ich habe niemals gejammert, sondern es genossen!

Ich will hier niemanden verteufeln!

Wenn Ihr das heutige Angebot der KiTa ab einem Jahr oder sogar noch jünger nachgeht, dann ist das natürlich okay. Wenn es für Euch okay ist. Bei mir gab es das schlicht nicht für jeden. In unserem Dorf wurde es nicht einmal angeboten, egal für wen. Das muss jeder selbst entscheiden, für sich. Vielleicht hätte ich mich auch anders entschieden, wäre es mir angeboten worden.

Allerdings werde ich nie verstehen, dass viele Mamas die Kids schon als Säuglinge abgeben, die selbst aber nicht arbeiten, nur, weil die Gesellschaft es so will! Die daran zerbrechen!

Ständig dieses Gejammer!

Ich habe ja garkeine MeTime! Bin soooo müde! Ich habe garkeine schönen Fingernägel/ Wimpern/ Haare mehr, weil ich keine MeTime habe! Ins Kino komme ich garnicht mehr! Zum Sport! Zum Duschen! Wir haben keine Paarzeit mehr! Meine Freundinnen verlassen mich alle!

So ist das halt! Und wisst Ihr was? Das geht vorbei! Schneller, als es uns am Ende lieb ist!

Und es kommt schleichend!

Sie gehen in den KiGa. In unserem Fall wie gesagt ab 3 Jahren und erst einmal einen halben Tag. Das heißt, ich ging arbeiten, holte danach direkt die Kinder ab, dann ab nach Hause und Mittagessen machen. Meine Kinder machten beide ab 2 Jahren keinen Mittagsschlaf mehr. Also nix mit Ruhe.

Dann kommt die Schule, die Zeiten verändern sich also nur unwesentlich. Ich habe zu wenig verdient, um mir eine Nachmittagsbetreuung finanziell erlauben zu können, außerdem habe ich sehr gerne die Nachmittage mit meinen Kindern verbracht. Mein Großer hätte eh nicht in eine Betreuung gehen können, da er dort keine Hausaufgaben hätte machen können, dank ADHS.

Nun ja, ich mochte es immer gerne, Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Und sie wurden größer und selbstständiger. Es kamen diese Situationen, die Sabrina da beschreibt: PlayDates und plötzlich hat man mal Zeit für sich. Oder wenn sie beim Sport sind und dort sogar alleine hingehen können. Hurrah! Da darf man echt sagen: ENDLICH!

Dann kommt die fortführende Schule

Länger Schule, vielleicht noch AG’s, die Kinder entscheiden viel mehr selbst, machen selbst die PlayDates aus, gehen ihren Weg.

Nun heißt es: Flügel geben aber das vertraute Nest sein!

Und plötzlich ist es nicht mal kurz MeTime, nein, es ist plötzlich…

Einsamkeit

Du hast mich angezogen, ausgezogen, großgezogen
Und wir sind umgezogen, ich hab dich angelogen!
Ich nehme keine Drogen
Und in der Schule war ich auch

Du hast dich oft gefragt, was mich zerreißt
Ich wollte nicht, dass du es weißt
Du warst allein zu Haus‘, hast mich vermisst
Und dich gefragt, was du noch für mich bist.

(Lied: „Oft gefragt“ von AnnenMayKantereit)

Dieser Liedtext trifft es genau auf den Punkt.

Und ich frag mich, was ich noch für meine Jungs bin.

Man muss es echt wieder neu herausfinden. Ich versuche, ihr Nest zu sein, ihre Vertraute. Das bin ich wohl, aber wer weiß, wie lange noch. Sie fehlen mir sehr, meine Kinder. Ich gönne ihnen ihre Freiheit, lasse sie viel selbst entscheiden. Aber sie fehlen mir. Die kleinen Händchen in meiner, beim Spazieren gehen.

Die großen Augen, die zu mir aufschauen, wenn ich etwas erkläre. Das Lachen, wenn sie etwas schaffen, was sie vorher nicht konnten. Die Vertrautheit, die Nähe.

Der Große möchte keinen Gute-Nacht-Kuss mehr. Nähe? Fast nichts mehr. Er möchte immer mehr Privatsphäre. Die gebe ich ihm.

Nicht mehr lange, dann wird das auch bei meinem Kleinen so sein. Ich akzeptiere dies natürlich. Und genieße die kurzen Momente, wenn sie mich wieder mal in den Arm nehmen. Mit mir Zeit verbringen. Mal ein Spiel mit mir zusammen spielen. TV schauen. Und irgendwann ist auch das vorbei.

Ihr lest sicher heraus, dass mir das nicht leicht fällt.

Aber ich gewöhne mich daran. Und trotzdem ist es wie in dem Lied.

Zu Hause – bin immer nur ich

Egal was kommt und was das Leben noch von mir verlangt, ich bin da. Für meine Jungs.

Eure Bea.

27 Kommentare

  • Busymamawio

    Du hast da eine sehr interessante Ansicht. Auch ich habe meine große ab 15 Monaten zur Tagesmutter, später in die ganztagsbetrruung gegeben, da ich noch eine Ausbildung angefangen habe, um jetzt weniger arbeiten zu müssen (da der verdienst nun ja viel besser ist). Die tagesmutter konnte ich mir nicht wirklich leisten, viel weniger war es finanziell aber drin, zuhause zu bleiben ☝️ daher muss ich dir in dem Punkt widersprechen. Die tagesmutter bekommt zwar um die 1000 Euro pro Kind, Eltern müssen jedoch nur einen maximalen Satz von damals ca 400 Euro bezahlen.
    Lange Zeit dachte ich, dass es meiner Tochter nicht ganz so gut geht in der ganztagsbetreuung. Nach unserem Umzug in die Stadt vor 1.5 Jahren habe ich sie in den teilzeit Kindergarten angemeldet, die Nachmittage hatte ich endweder home Office oder sie war bei den Omas. Und was soll ich sagen? Sie langweilt sich zuhause und vermisst es, den ganzen Tag mit Freunden zu spielen. Dennoch hat sie mich gebeten, sie im September nicht zur Ganztagsschule anzumelden. Verstehe einer die Kinder…
    Viele Grüße
    Wioleta von http://www.busymama.de

    • Mamabeasblog

      Ja, verstehe einer die Kinder… Du hast Deinen Weg gefunden und der war halt so nötig. Das ist ja auch gut so, ich will niemanden verteufeln, der anders denkt und handelt als ich. Ich kann nur die Muttis nicht verstehen, die zu Hause sitzen und ein schlechtes Gewissen haben und trotzdem die Kinder abgeben, weil sie meinen, sie müssen es. Verstehst Du das?

  • Auszeitgeniesser

    Gut das es ein schleichender Prozess, alles andere würde noch mehr weh tun 🙂
    In jedem Fall muss jeder seinen ganz persönlichen Weg finden.
    Oft sind es Umstände die bestimmte Situationen heraufbeschwören und man nicht frei in seinem Wollen ist.
    Doch wenn ich eines nicht mag, dann ist es die Verurteilung anderer Lebensplanungen.
    Denn jeder soll mit seinem Leben glücklich sein. Und damit sage ich nicht, dass du jemanden verurteilst mit deinen Ansichten.
    Wer also MeTime vermisst mit Kindern sollte etwas versuchen zu ändern. Jammern mag ich auch nicht.

    Liebe Grüße, Katja

  • View of my Life

    Einerseits freut mich sich wenn die Kleinen endlich größer werden, andererseits wird man ganz schön wehmütig. Meine Tochter wird heuer 14 Jahre und ich denke stark an die Zeit zurück wo sie noch 4 war. Aber ich bin keine Helikopter-Mama. Das fände ich furchtbar. LG, Claudia

  • Silvia

    Liest sich echt interessant, ich habe auch in meinem Umfeld mitbekommen, dass die Kinder so früh wie möglich in die Kita und danach in den Kindergarten gesteckt werden. Gemeinsame Zeit bleibt da kaum noch. Das finde ich einerseits schade, andererseits verstehe ich natürlich auch den Geld-Aspekt. Dass die Kinder später fehlen ist auch absolut nachvollziehbar, es ist dennoch wichtig, die Entscheidungen zu akzeptieren, aber das liest sich bei dir ja eh gut raus. 🙂
    LG Silvia

    • Mamabeasblog

      Na klar, wenn man das Geld braucht, dann muss man arbeiten gehen. Aber das wäre auch wenn ich es gebraucht hätte, bei uns nicht möglich gewesen. Weil ja nichts angeboten wurde. Und eine Tagesmutter zu bekommen, war auch sehr schwer, die dann mit dem Gehalt zu bezahlen, noch viel schwieriger, da musste man schon viel verdienen.

  • Carry

    Ich habe zwar keine Kinder, ich stelle mir den Prozess wenn Kinder flügge werden aber sehr schwer vor. Deinen Beitrag dazu habe ich gerne gelesen, vielen Dank für deine Ehrlichkeit 🙂

  • Diana

    Ich werde auch manchmal wehmütig, wie schnell meine Tochter groß wird. Ich halte mir dann immer bewusst vor Augen wie kurz diese intensive Zeit mit unseren Kindern ist, wenn sie noch so klein sind. Und wenn es mal wieder anstrengend ist, erinnere ich mich daran und kann diese Zeit wieder besser genießen. Allerdings kenne ich niemanden in meinem Umfeld, der seine Kinder früh in die Kita gibt und dann zu Hause sitzt. Die meisten gehen dann wieder arbeiten. Weil sie es wollen, weil es finanziell erforderlich ist oder weil es vom Arbeitgeber erwartet wird. Wer weiß, jeder hat andere Gründe. Die, die das Kind erst mit drei Jahren oder später oder gar nicht in den Kindergarten geben, entscheiden sich bewusst dafür, können es sich finanziell leisten oder stecken in anderen Dingen zurück. Mir kommt es heute schon eher wie ein Privileg vor, sein Kind drei Jahre zu Hause lassen zu können und wünsche mir im Nachhinein, ich hätte dies auch tun können. Aber so unterschiedlich sind die Wahrnehmungen nunmal.

  • Anonymous

    Ich selbst habe keine Kinder, aber ich habe drei Patenkinder. Sie werden viel zu schnell groß und ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich sie zum ersten Mal im Arm gehabt habe.
    Leider ist es heutzutage so, dass beide Elternteile arbeiten gehen müssen, damit man sich auch etwas leisten kann. Umso mehr denke ich mir, dass man die Zeit, die man mit seinen Kindern hat auch unbedingt nutzen sollte.
    LG
    Carina

  • Eileen

    Ein sehr liebevoll geschriebener Beitrag, der mich sehr berührt hat. Man spürt so richtig, wie du deine Kinder liebst. Ich weiß was du meinst – habe zwar noch keine Kinder – aber früher war es anders. Wir waren 3 Schwestern und keiner von uns im Kindergarten, meine Mama blieb zuhause um uns groß zu ziehen auch wenn es finanzielle nicht immer gut lief, sie wollte uns nicht wegschieben sondern selbst erziehen. Heute ist tatsächlich vieles anders und ich werde wohl eines Tages auch auf das Angebot zurückgreifen müssen. Aber wenn ich ein Kind hätte würde ich es – ähnlich wie du – genießen so lange es geht. Den die Zeit vergeht so verdammt schnell.

    Liebe Grüße Eileen von http://www.eileens-good-vibes.de

  • Bo

    Meine Kinder sind ausgezogen und da es bei meinen beiden Jungs innerhalb von kurzer Zeit war, war es schon schwierig für mich. Es war aber meine Tochter noch zu Hause und so gab es nicht so einen schlimmen Bruch.
    Liebe Grüße Bo

    • Mamabeasblog

      Das freut mich, dass es dann doch so reibungslos ging, ich wünsche Dir eine schöne Zeit mit Deiner Tochter. Da sieht man, dass es sich schon lohnt, mehrere Kinder zu haben.

  • Steffi

    Huhu,

    Ich habe zwar keine Kids, aber einen kleinen Bruder der 16 Jahre jünger ist. Der Prozess mit dem Flügge werden ist nie einfach, aber gehört zum Leben dazu.

    Deinen Beitrag finde ich super formuliert.

    Lg
    Steffi

  • Avaganza

    Das ist ein Thema mit dem ich mich auch immer mehr auseinandersetzen muss. Wurzeln geben fällt mir leichter als Flügel … das ist eine echte Herausforderung für mich! Aber auch Mutter sein ist ein Lernprozess. Das wichtigste für mich ist den tollen Kontakt zu meinen Kindern zu behalten.

    lg
    Verena

  • Bettina

    Du stellst ein wichtiges Thema aus deiner persönlichen Sicht dar, wenn ich Kinder hätte: mir käme es zugegeben komisch vor, wenn sie flügge werden, einerseits schön, sie loszulassen – ich wäre stolz, meine Kinder dahin geführt zu haben – andererseits ein bisschen Wehmut wäre dabei … c’est la vie 🙂

  • Tabea

    Liebe Bea,

    ein tolle Beitrag! Und dass man auf einmal „einsam“ ist, muss man sich erst einmal eingestehen. Tolle, ehrliche Worte. Ich kann verstehen, wenn Mütter früh wieder arbeiten, weil das Geld fehlt. Bin aber eher auf der Seite, dass man als Mutter (ja, ich bin keine) die Zeit möglichst lang mit seinen Kleinen verbringen sollte. Die Zeit kommt nicht wieder und sie werden so schnell groß. Und eigentlich sollte man sich darüber Gedanken machen, bevor das Kind da ist.
    Ich denke, Du wirst durch die Zeit, die Du ihnen gegeben hast ein ganz tolles Verhältnis zu ihnen haben. Klar, jetzt werden sie flügge, aber Du wird auch immer ein Teil von ihnen sein.

    Ganz liebe Grüße,

    Tabea

  • Mamabeasblog

    Du hast so recht, heutzutage ist man nicht mehr faul, wenn man nicht arbeitet, es ist ein Privileg. Die Zeiten haben sich (innerhalb meiner Kinderzeit) sehr geändert. Wenn man arbeiten muss, dann ist das was anderes, sehe ich absolut wie Du. Oder will. Aber es gibt echt viele, die zu Hause sind, nicht weil der Mann so viel verdient, sondern weil sie vom Staat leben, und dieser Staat finanziert auch die KiTa. Das verstehe ich nicht.

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