Revue annuelle - Mama Beas alljährlicher Jahresrückblick 2018
Allgemein,  Familienleben

Überlebensstrategien – Schicksalsjahre einer Teeniemutter

Die letzte Zeit war nicht leicht für mich. Warum? Seit längerem ist mein großer Sohn in der Pubertät. Und seit November nun auch noch Teenager! Bei vielen ist das garkein Problem. Warum das bei uns anders ist, könnt Ihr heute hier und jetzt lesen! Mit einem Augenzwinkern. Und ganz viel Herz! Mein neuer Beitrag: Überlebensstrategien – Schicksalsjahre einer Teeniemutter.


Jippieh! Ich wusste, irgendwann kommt sie, die Pubertät! Doch nun traf sie uns mit voller Wucht! Alles was zuvor war, Trotzphase, Selbstbestimmungsphase, Zahnungsphase, Eingewöhnungsphase, blablabla. Dagegen ein Witz! Bei uns ist echt nichts mehr wie es war. Bei uns ist immer alles extrem.

Extrem nervig. Extrem ärgerlich. Extrem verzweifelnd. Aber auch extrem schön!

Was gibt es Schöneres als dass unser Kind erwachsen wird?

Wann ist es endlich rum?? Diese Phase der körperlichen Entwicklung? Gepaart mit der Phase des Abgrenzens? Achja, noch dazu die Selbstfindungsphase… Ihr merkt schon, worauf ich hinaus will. Immer Phasen. Ist nicht unser ganzes Leben eine reine Phase??

Wenn man es mal genau nimmt, dann ist die Pubertät der Trotzphase sehr ähnlich. Denn warum trotzen die Kinder? Weil sie unzufrieden sind mit der Situation. Der Situation, nicht so zu können wie sie wollen. Und sie merken, sie müssen lernen. Na, darauf haben sie aber so garkeinen Bock! Es muss sofort gehen. Sofort! Und da kommt der Unmut auf. Warum geht alles so langsam?? Ich will aber! ICH WILL! MEINS! ICH ICH ICH! Das hatte ich eigentlich mit meinen Kindern schon durch. Und nun trifft es mich wieder mit geballter Kraft. Und diesesmal hilft reden und verstehen genauso wenig wie damals.

Denn auch ich habe viel gelesen und gelernt.

Ja, gelernt, dass die ganzen Erziehungsratgeber zwar echt nett gemeint sind, aber mir in meiner Situation bisher nur geholfen hätten, hätte ich sie jemanden an den Kopf geworfen.

Das klingt jetzt nach ner gewaltvollen Erziehung. Ja, klar! Ich wollte meinen Kindern meinen Willen aufzwingen. Genauso wie ich es von so vielen Müttern auf den Spielplätzen oder im Umfeld gesehen habe. Denn deren Kinder haben sich das gefallen lassen. Oder eben aufgegeben. Ich aber habe Kämpfer-Kinder. Aufgeben? Keine Option!

Das ist bis heute so.

Nachdem ich die Unwirksamkeit des erhobenen Zeigefingers erkannt habe, wurde es besser. Auch offizielle Stellen standen mir zur Seite. Allerdings wollten die wieder, dass ich den Kindern meinen Willen aufzwinge. Anscheinend gibt es in der Erziehung nur schwarz und weiß. Entweder man ist rigoros und autoritär oder man hat eben unerzogene Kinder. Die werden später Verbrecher. Kinderschänder. Und wasweißichwasalles.

Ich wurde mal gefragt, warum ich so viel zulasse. Denn dann machen sie ja später mal, was sie wollen. Ich sagte: „Hoffentlich!“

Ich habe so viel ausprobiert und hab mich ganz gut durchgeschlängelt, finde ich. Und dann kam sie, …

die Pubertät!!!

Schicksalsjahre einer Teeniemutter

Trotzphase, Selbstbestimmungsphase, körperliche Entwicklungsphase 2.0

Alles gleichzeitig. Da bringste Deinen kleinen Sohn ins Bett, schön mit Küsschen und beten und so, und am nächsten Morgen schlägst Du die Decke zurück und fragst Dich, wer dieses haarige, riesige Monster da hingelegt hat. Und ab da ist alles anders.

Es stellt Dich in Frage. Du musst nun total stark sein. Stärker als das Pubertier.

Und dann die Launen. Von himmelhochjauchzend zu Tode betrübt innerhalb von Sekunden. Weil die Freundin nicht geantwortet hat auf WhatsApp. Da ist doch ein blauer Doppelhaken, Mama. MAMA! BLAUER DOPPELHAKEN! WARUM SIND MÄDCHEN SO SCHEISSE??

Ich kann garnicht antworten.

Warum hat mein Baby eine Freundin? Muss ich mir schon Gedanken machen, bald Oma zu werden? Echt jetzt?? Wen interessiert da ein blauer Doppelhaken???

Ihn. Und dieser blaue Doppelhaken kann Dir das ganze Wochenende versauen. Denn nun hat das Pubertier zu nichts mehr Lust. Laute Musik von Capital Bra (in dem Fall: Anti-Werbung!) dröhnt aus dem Zimmer. Mensch, was hat der denn für ne Ausdrucksweise? Ich habe damals die Ärzte gehört. Da war das Wort Arschloch auf Neo-Nazis gemünzt doch harmlos. Aber ich lasse dem Pubertier seine Ruhe. Wenn er Hunger hat kommt er von alleine. Wenn nicht, schaue ich halt mal nach, wenn es anfängt zu stinken.

Falls sich der Teenager nun doch mal aus seiner Höhle wagt, dann nur, weil ich das WLan ausgeschaltet habe. Tja, ich arbeite mit allen Tricks. Und dann muss man sich warm anziehen. Und die Nase zuhalten. So ein vor Testosteron strotzender junger Heranwachsender hat einen vermehrten Schweißgeruch. Mit Engelszungen und Androhung das Ladekabel wegzunehmen, geht der nach natürlichem Moschus-duftende Jüngling unter die Dusche. Und dann kommt der da nicht mehr raus! Stundenlange Schönheitsrituale folgen auf stundenlanges Wasserlaufen. Und wehe man betrete das Bad! Das Gebrüll hört man ein paar Straßen weiter noch!

Schule wird zur Nebensache. Eigentlich ist sie nur noch da, um die Leute aus der Hood zu treffen. Hausaufgaben? Völlig überbewertet. Noten? 4 heißt doch ausreichend. Reicht doch aus, Mudda!

Wie erzieht man in so einer Situation so ein… eigentlich ist er ja noch ein Kind??

Genauso wie vorher.

Man begebe sich auf Augenhöhe.

Schicksalsjahre einer Teeniemutter

Okay, schon garnicht mehr so einfach, wenn der junge Mann schon zu mir runterblickt. Aber ich habe ja ein Hilfsmittel:

Schicksalsjahre einer Teeniemutter

Ansonsten gilt es, einfach da zu sein.

Sachlich sich mit einem Pubertier zu unterhalten, ist wie Perlen vor die Säue werfen. Regeln bleiben bestehen, aber diese muss man echt überdenken und auf ein Minimum reduzieren.

Diskussionen verlieren beide Parteien. Und nichts bringt sie mehr aus der Bahn als das andere Geschlecht. Oder das Gleiche. Je nach Facon. Aber als Mama ist man eben da. Wenn das Herz schmerzt. Dann ist man wieder wichtig. Dann macht man ne leckere Mahlzeit und schweigt sich auch kurz an. Egal wie, das Band geht nicht kaputt. Es ist nur unsichtbarer geworden.

Sich in sie reinfühlen… das ist wohl das Wichtigste. Und niemals den Humor verlieren! So ein tobender, sich total aufregender Jugendlicher hat ein bisschen was von Comedy! Denn denkt mal drüber nach – Ihr wisst doch genau, wie es sich anfühlt. Und das es wieder vorbei geht. Denn: Waren wir nicht alle mal in der Pubertät??

Und manchmal, ja, da verzweifelt man. Dann tauscht man sich mit anderen Mamas von Pubertierenden aus, feiert sich und sich gegenseitig. Und wenn die Nerven mal durchbrennen:

Schicksalsjahre einer Teeniemutter
Alkohol und Zigaretten. Nicht immer, aber manchmal ne Lösung!

Eure Bea.

Bitte, bitte betrachtet diesen Beitrag mit einem Augenzwinkern. Ich habe ihn mit einem geschrieben.

17 Kommentare

  • Eileen

    Ich mag deinen Schreibstil immer, auch bei den 1000 Fragen um dich selbst 🙂
    Ich habe selbst noch keine Kinder aber ich denke – soweit ich das einschätzen kann – dass es schon gut ist, wie du es machst. Nicht aufzwingen oder aufdrängen oder gar ignorieren. Das Mittelmaß macht es auch. Und wir wissen ja alle wie wir selbst in der Pubertät waren 🙂 Irgendwann wird es besser.

    Wünsche dir weiterhin gutes Durchhaltevermögen.

  • The Soulfood Traveller - Miri

    Bea, ich habe so lachen müssen bei deinem Artikel. Mein Mann und ich beschäftigen uns gerade mit dem Baby-Thema (wann es losgehen soll etc.), da ist alles noch so neu, ungewiss und irgendwie süß. Dabei Vergessen wir gänzlich, dass das süße kleine sabbernde Wesen irgendwann einmal betrunken nach Haus kommen wird und uns womöglich fragen wird: „Sie reden mit mir als wären Sie meine Eltern!“ – „Guess what?!“ 😄

    Ein Lächeln,

    Miri

  • Auszeitgeniesser

    Schmunzelnd habe ich deinen klasse geschriebenen Artikel gelesen und bin einfach nur froh, dass hier alles soooo entspannt und ruhig abgelaufen ist. Fast schon zu einfach 🙂

    Übrigens, der Pulli im ersten Bild ist cool.
    Liebe GRüße, Katja

  • L♥ebe was ist

    deinen Beitrag habe ich sehr gerne gelesen – auch mit einem Augenzwinkern 😉
    v.a. deinen Tipp, dass man sich auf Augenhöhe begeben sollte, finde ich toll! das sollte ja eigentlich bei allen sozialen Interaktionen gelten – auch eine Art Learning, wenn man so will 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

  • Mish

    Liebe Bea
    Ich kann dir und deinen Worten so gut nachfühlen, obwohl meine Älteste sich erst in der Vorpubertätsphase befindet, find ich’s jetzt schon echt anstrengend 😉

    Warten wir ab was da noch alles kommen wird und dabei auf keinen Fall den Humor verlieren 😂

    Herzlich Mish von mishpourelle.ch

  • Avaganza

    Liebe Bea,

    als Psychologin weiß ich was sich da so alles im Gehirn eines Pubertierenden verändert. Das ist eine ganze Menge und sie können ja gar nicht anders als so zu sein wie sie sind ;-). Allerdings ist das immer anders wenn dann die eigenen Kinder in diese Phase kommen. Ehrlich gesagt fürchte ich mich ein bisschen davor … und möchte die Zeit jetzt wo sie noch so klein sind, festhalten. Geht aber nicht, deshalb kann man es eh nur mit Humor nehmen und viiiiiel Verständnis mitbringen.

    lg
    Verena

  • Tabea

    Liebe Bea,

    oh ja, die Teeniezeit ist für beide Seiten nicht einfach. Wie schön, dass Du es noch mit Humor nimmst 😉 Aber ich denke, anders kommt man auch als Mutter da nicht durch.
    Wir hatten uns neulich beim Mittagessen über genau das unterhalten, was Du berichtest. Meine Kollegin würde Dir voll und ganz zustimmen!
    Ihr – meine Kollegin und Du – macht das aber schon ganz richtig. Liebe und einfach da sein. Mama ist doch immer die Beste! Und auch Teenies (wir doch später immer noch) wissen das aus ganzem Herzen. Auch, wenn ihnen das manchmal nicht sofort einfällt.

    Viele liebe Grüße,

    Tabea
    von tabsstyle.com

  • Julia

    Ich hab selbst ja keine Kinder aber 3 Neffen. Einer davon befindet sich gerade in der Pubertät und man muss einfach manchmal alles etwas lockerer sehen, dann geht das schon. Wir selbst wissen ja auch noch gut genug wie es uns dabei gegangen ist 🙂

    Ich wünsch dir viel Durchhaltevermögen!

    Alles Liebe,
    Julia

  • Dr. Annette Pitzer

    Am Ende der Geduld ist noch viel Pubertät übrig. In der Pubertät verändern die Hormone die Hirnchemie genau wie in den Wechseljahren. Treffen Pubertät und Wechseljahre zusammen, rumst es im Karton.
    Alles Liebe
    Annette

  • Tina

    Ja ja, die Pubertät ist nicht einfach, erst recht für die Eltern 😉 Ich musste gerade so lachen bei dem Satz „Nachdem ich die Unwirksamkeit des erhobenen Zeigefingers erkannt habe, wurde es besser“ gelesen habe. Da habe ich gleich ein Bild vor Augen 😉

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